Hohe Mauern ragen aus dem Land – die Zeichen der Zeit sind aus Stein gemacht. Die mittelalterliche Burglandschaft läd zum Verweilen ein, oder auch zum Arbeiten. Jenni Mitkovic hat eine Vorliebe für die Auflebung vergessener Zeiten und es treibt sie häufig in neue Landschaften. Als Hofkünstler begibt sie sich auf Burgen und arbeitet mehrfach im Jahr von unterwegs.

*Affiliate-Link/Werbe-Link

Es regnet, es ist kalt. Das Kleid ist ihr bis zu den Knien nass. Der Umhang ist schon durchtränkt und wird Tage brauchen, bis er wieder trocken ist. Die Bestätigung vom Maler: Auch die Schuhe und Füsse sind nass, trotzdem macht sie weiter und hört nicht auf, bis sie alles im Gepäck hat, was sie heute umsetzen wollte. Sie schießt ein paar Bilder, sucht Ecken zum Skizzieren, holt weitere Aufnahmegeräte heraus. Einige Sequenzen werden mehrfach gedreht. Das Ganze ergibt dann später einen Film.
Ein moderner da Vinci, der ruhelos mit Notizbuch und Stift umher reist und alles notiert, was ihn interessiert? Was geht im Kopf eines Malers vor, der lieber alleine im Regen steht und das Einzelgängertum der Gesellschaft vorzieht? Hier ist wenig los, die meisten Leute bleiben heute daheim, die Regentropfen fallen aufs Papier und das Medium wird gewechselt, daher eignet sich der Tag, um auf dem Gelände ein Video zu drehen.

*Affiliate-Link/Werbe-Link

Früher hat sie viel Übung gebraucht, heute funktioniert alles koordiniert. Sie kommt in Kontakt mit anderen Künstlern und dann gestalten sich spontane Projekte. Sie tut Dinge, die andere für unnötig halten.
Macher verstehen ihr Geheimnis, der Rest denkt, es fliegt einem so zu.

Dann ist das Mysterium fertig und es geht in die altbekannte Welt, wo Dinge wie YouTube-Kanäle existieren, um diejenigen dabei sein lassen zu können, die nicht dabei waren.

Werbeanzeigen

Last Warrior wurde am besagten Tag gedreht. Es entstand im April 2017 auf Burg Steinsberg.

Weitere Video-Projekte von Jenni Mitkovic findest du auf dem YouTube-Kanal.

Im Jahre 2017 entschied ich mich, aufgrund meiner Freunde, auf Malreise zu gehen. Die Reise führte, von meiner Heimat in Süddeutschland, über Rothenburg an der Fulda, nach Röcken; dann weiter zu Bertingen, um ein paar Dinge mit meinen Freunden zu besprechen; wieder zurück über Falkenstein in den Harz und endete schließlich in Merzalben.


Mein erster Halt war in Rothenburg an der Fulda. In Rothenburg versorgte ich mich mit Proviant. Besonders gut war das Lüneburger Brot, von dem ich mir einiges mitnahm.

Im idyllischen Wüstefeld angekommen, machte ich – wenige Meter vor dem Haus Armin Meiwes‘ – Pause. Es war ein verregneter Mittjulitag, meine Unterlagen wellten sich ob der Feuchtigkeit und in der Umgebung machte ich ein paar Skizzen. Zwei Stunden konnte ich bleiben, dann musste ich weiter reisen. Ich wäre gerne länger geblieben, hätte ich am selben Tag nicht noch einen Termin in Röcken gehabt und damit noch einen langen Weg vor mir.



Am Abend erreichte ich Röcken, dem Geburtsort von Friedrich Nietzsche. Hier, im Abgelegenen, liegt die Nietzsche-Gedenkstätte und ich hatte Zeit, den Abend mit einer Lesestunde an Nietzsches Grab zu beenden. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, welches Buch ich bei mir trug. Bald schon tönten die Worte Zarathustras wie magische Formen über Friedrich Nietzsche selbst hinweg.

Am Grab von Friedrich Nietzsche, 2017.

Wenige Tage später, nachdem ich meine Freunde aus dem Norden traf, erreichte ich Burg Falkenstein im Harz. Der Weg zur Burg führte durch einen Wald, der nur zu Fuß zu erreichen war. Neu gewandet machte ich mich auf, um – mit Notizbuch und Stift – zu Fuß die Falkenstein zu erklimmen.

Mittlerweile war ich das Erklimmen vom Burgen mit meiner Ausrüstung gewohnt. Zwei Kleider hatte ich bei mir – eines davon immer noch klamm –, ein nicht ideales Schuhwerk, Notizbücher, Bücher, Stifte und die Reste des Brotes.

In den Abendstunden – und froh, noch etwas Brot übrig zu haben – wanderte ich zurück durch den Harzer Wald und hörte dabei schon das fröhliche Zirpen der Abendtiere, bis ich aus dem dunklen Wald kam.

Im Thüringer Becken machte ich Rast, um mein Abendmahl einzunehmen. Dabei hatte ich immer noch etwas von dem Lüneburger Brot übrig, das ich mittlerweile durch halb Deutschland, und die Burg hoch und runter, trug. Mein weiterer Weg führte danach – noch in der Mitte von Deutschland – durch ein starkes Unwetter und ich war gezwungen, eine abrupte Nachtruhe einzulegen.

Werbeanzeigen

Am nächsten Morgen, als sich die Sicht wieder klärte, kam ich in Merzalben an. Den Burggipfel von Burg Gräfenstein erreichte ich am Vormittag, von dem mich – schon von Weitem – eine große Ruine anblickte. Oben angekommen, erkundete ich den Kerker der Burgruine und kämpfte mich über windige Treppen zu luftigen Gängen der mächtigen Mauern.

Werbeanzeigen

Geschäftiges Treiben herrschte auf der Burg bis zum frühen Abend. Von Gräfenstein hinunter, raus aus dem Pfälzerwald, begab ich mich allmählich wieder auf die Heimreise.


Fotos: Jenni Mitkovic
Autor: Jenni Mitkovic